Die Farben Chinas


Monochrome Porzellane von Dr. Georg Büchner. Fotos: Frank Bürger
Monochrome Porzellane von Dr. Georg Büchner. Fotos: Frank Bürger

 

 

 

(Stuttgart, 21.07.2017) Der Weg von Berlin nach Stuttgart ist kein weiter. Und kulturelle Themen greifen deutschlandweit, weltweit. Bildung und Kultur hängen dabei sehr eng miteinander zusammen. Kultur und Bildung, beinhalten auch Menschen, die dabei öffentlich präsent oder manchmal im Hintergrund Fäden spinnen.

Am Anfang des vierten Teils der Tetralogie von Richard Wagner sind es die Nornen, die schicksalhaft diese Fäden spinnen...Zu begreifen, zuerkennen, was die Welt, im Innersten zusammenhält, das ist eine Herausforderung an den Menschen dieser Zeit. So formuliert es Johann Wolfgang Goethe in seiner Tragödie "Faust".

 

So fällt es uns Europäern schwer, unseren Blick nach Osten zu wenden.  Durch die digitalen Medien ist für uns heute einfacher, Nachrichten aus dem Reich der Mitte zu erhaschen.

Aber verstehen wir diese auch?

 

Es ist deshalb gut, dass Museen Angebote machen, sich mit einer "Wiege der Welt" zu beschäftigen. Mir war es nun möglich in den letzten Tagen zweimal, im Norden und im Süden, in diesen besonderen Genuss zu bekommen.

 

Inspiriert wurde ich über ein Gespräch mit Dr. Melitta Büchner-Schöpf in Karlsruhe, die im Laufe ihres Berufslebens im Bundesministerium für Wirtschaft als Ministerialdirigentin zuständig für industrielle Kooperationen weltweit war und somit auch fernöstliche Regionen besucht hatte.

Sie wies mich auf eine besondere Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart hin, die mit Werken aus der Porzellan-Sammlung ihres Mannes Georg Büchner bestückt war. Und es erwartete mich dort ein besonderer Zauber. Hier nun die Zeilen aus der Beschreibung der Exposition.

 

"Porzellan gehört zu den großen chinesischen Erfindungen. Dabei beruht die Schönheit der Töpferarbeiten auf dem perfekten Zusammenspiel von Form, Glasur und Dekor. Wo auf Dekore verzichtet wird, liegt das Augenmerk ganz auf der schlichten Eleganz des farbigen Überzugs. Bis zum Ende der Kaiserzeit gelang es den chinesischen Töpfern durch ihr umfassendes Wissen über Ton, Glasuren und Farbkörper sowie durch die meisterhafte Kontrolle der Brennbedingungen, Farben zu erzeugen, die an das helle Blau eines klaren Himmels, an rote, zart gesprenkelte Bohnenkerne oder die glänzend polierten Oberflächen von Bronzespiegeln erinnern.

 

Den Töpfermeistern der Qing-Zeit (1644 – 1911) dienten dabei die klassischen Keramiken der Song-Zeit (960 – 1279) oder die monochrom glasierten Porzellane der Ming-Zeit (1368 – 1644) als Vorbilder, gleichzeitig entwickelten sie jedoch auch neue, außergewöhnliche Farbtöne, um den anspruchsvollen Wünschen ihrer Kundschaft, vor allem dem Kaiserhof, gerecht zu werden. Von der herrschenden Vorliebe für Altertümer beeinflusst, entstand manches ihrer Gefäße in Nachahmung antiker Bronzen. Die faszinierende Farbpalette sowie die Formenvielfalt dieser späten monochromen Porzellane werden beispielhaft durch die Sammlung Dr. Georg Büchner illustriert, von der das Linden-Museum Stuttgart erstmals eine repräsentative Auswahl als Kabinett-Ausstellung präsentiert."

 

Bis zum 3. September ist die Ausstellung dort noch zu sehen. Und ein Besuch lohnt sich wirklich.

Ich sage dem Team der Öffentlichkeit Dankeschön für die Erlaubnis zum Fotografieren.

 

Alle Infos

https://www.lindenmuseum.de/

 

Inspiriert von den Gedanken, sich mit der fernöstlichen Kultur auseinanderzusetzen, machten sich meine Frau und ich an meinem 50. Geburtstag auf den Weg in das Neue Museum. Dort wurde noch eine weitere "Wiege der Menschheit" präsentiert.  Die Kulturen Ägyptens und Chinas zeichnen sich durch eine jahrtausendelange Geschichte und Tradition aus. In der Ausstellung "China und Ägypten. Wiegen der Welt" sind nun seit einigen Tagen erstmals altägyptische und altchinesische Kunstschätze nebeneinander zu sehen, darunter viele Exponate aus dem "Reich der Mitte", die noch nie in Europa zu sehen waren. Zeitlich reicht die Spanne der ausgestellten Werke von 4500 v. Chr. bis in die griechisch-römische Zeit (332 v. Chr. bis 313 n. Chr.). Durch den direkten Vergleich der Hochkulturen wird dem Besucher vor Augen geführt, dass beide Gesellschaften die Entwicklung der Menschheitsgeschichte maßgeblich prägten. Trotz der großen Distanz entwickelten sich vergleichbare Strukturen, die uns heute noch vertraut sind. Und noch viel Einfluss haben...

Hier weitere Infos

 

Und ich komme am Anfang dort an, wo ich begonnen habe. In den Gärten von Sanssouci entdecke ich das chinesische Teehaus und den ägyptischen Obelisken ... der Blick auf diese Wiegen der Menschheit sind keine Modeerscheinung, sondern auch ein Prozess, der sich immer weiterentwickelt und ab und an Marksteine braucht...vielleicht auch Stolpersteine...

 

Hier nun über das YouTube ein Bilderüberblick über die Werke im Linden-Museum, untermalt von der Overtüre zur Oper "Aida".

 

 

 

Bilder, Film und Beitrag: Frank Bürger, Chefredakteur


Kontakt zum Autor: 

f.buerger@prenzlauer-rundschau.de


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