Ausflug nach Sanniki

Die Prenzlauer Rundschau machte Anfang August 2016 einen Ausflug in das polnische Dörfchen Sanniki, zirka 100 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt Warschau. Mit Schloss und Garten begegneten uns ein Kleinod mit mediterranem Flair und musikalisch bedeutender Note. Die Potsdamer Musikfestspiele haben sich schon intensiv mit dem Schaffen von Fryderyk Chopin beschäftigt. 

 

Über den Heidelberger Professor Friedrich Schery hatte ich im Schwetzinger Schloss auf Initiative meines Musiklehrers Werner Boll früh Kontakt zur Musik Chopins.

 

Chopin verbrachte die Monate Juli und August 1828 mit seinen Schulfreunden Konstanty Pruszak und seiner Schwester Olesia auf der Pruszak Familiengut in Sanniki. Das Dorf liegt 30 km nordwestlich von Sochaczew, und so entlang der Route, die Fryderyk mehrmals auf Reisen nahm. Das schön gelegene, gehörte den umfangreichen Nachlass Aleksander Pruszak, der es von seinem Onkel geerbt hatte. 

 

In Sanniki verbrachten Fryderyk und seine Freunde ihre Zeit damitr, Musik zu machen, zu spielen und um den schattigen Park zu Fuß zu erkunden sowie Besuche bei Nachbarn und Ausflüge zu machen.

Die Familie Pruszak war überaus musikalisch veranlagt und besaß gute Instrumente, so dass Chopin spielen konnte, wie viel er wollte, und zudem an seinen Kompositionen arbeitete – es gelang ihm, das Rondo C-Dur für zwei Klaviere zu überarbeiten und am Trio zu arbeiten. Er gab auch – obwohl ohne größere Begeisterung – der Schwester seines Freundes, Olesia, Klavierunterricht. Nach der Familie Pruszak war u. a. die Familie Natanson Besitzer des Gutes in Sanniki 

 

Das Schloss erhielt seine heutige Gestalt im Jahre 1910 unter der Initiative von Stefan Dziewulski, nach einem Entwurf von Władysław Marconi.

 

Im Jahr 1981, vor 35 Jahren, kam das  "Fryderyk Chopin Memorial Centre" in den linken Flügel des Schlosses. Zu entdecken sind hier Reproduktionen von Gemälden und Drucke Chopins sowie die Dokumentation der Geschichte des Schlosses. Wertvollstes Exponat ist der Flügel, auf dem einst Chopin selbst gespielt und komponiert hatte.

 

Die Inneneinrichtung wurde von Marek Kwiatkowski, Kustos des Königlichen Bäder Park in Warschau entworfen. Dieser Teil des Palastes enthält auch einen Konzertsaal mit 120 Sitzplätzen, in dem "Wort-und-Musik-Konzerte" an jedem ersten Sonntag im Monat abgehalten werden. Daneben ist ein Raum, in dem das Konzert auf einem Bildschirm übertragen wird. Dazu ein kleines Empfangszimmer.

 

Im ersten Stock des Schlosses ist die Mateusz Glinski Musikbibliothek, gegründet 1986 von Zofia Glinska. Sie enthält Publikationen über das Leben und Werk von Fryderyk Chopin und Studien von Mateusz Glinski selbst, auch eine gespendete Büchersammlung wie Enzyklopädien, Bücher über Musikgeschichte in verschiedenen Sprachen und eine Sammlung von Zeitschriften.

 

Dieses Kulturfestival machten die Schlossverwaltung, Kulturaktivisten, die Verwaltung und die Fryderyk-Chopin-Gesellschaft in Warschau möglich. 

 

Im Jahr 1985 wurde eine Bronzestatue von Chopin von Ludwika Kraskowska-Nitschowa enthüllt. Sie steht auf einem Sockel aus Marmor vor dem Palast, auf der linken Seite, stellt sie den Komponisten in einen Mantel gehüllt, in einem Park zu Fuß dar.

 

 

Fast genau gegenüber dem Haupteingang zum Schloss an der der Kastanienallee  ist die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Vor der Kirche steht eine Madonna. Gerade gegenüber der Straße hinter der Mauer ist noch ein Denkmal von Fryderyk Chopin und der ihn bewundernden Gouvernante aus dem Jahre 2014.

Während seines Sommeraufenthalts in Sanniki wurde Chopin der Verführung der Gouvernante der Pruszaks verdächtigt, die schwanger wurde. Die Angelegenheit wurde später geklärt, die Anschuldigungen erwiesen sich als haltlos und Fryderyk wurde zum Taufpaten des unehelichen Kindes der Lehrerin.

 

Höhepunkten der Festivitäten in Sanniki in diesem Jahr ist das Galakonzert am 28. August um 18 Uhr. 
Die geladenen Gäste dürfen unter anderem den Pianisten Dimitry Shishkin erleben. 


Dmitry Shishkin ist in Ulan-Ude, in Südostsibirien, geboren und gab mit drei Jahren sein erstes Konzert. Heute studiert er bei Elisso Virsaladze am Moskauer Konservatorium. Er gewann bereits zahlreiche Klavierwettbewerbe in seinem Heimatland und glänzte auch bei internationalen Wettbewerben, wie dem Concourso International Ferruccio Busoni in Bolzano (2013), der International Piano Competition in Rio de Janeiro (2014) und dem Internationalen Chopin-Wettbewerb  in Warschau (2015). Dmitry Shishkin spielte bereits in Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Italien, Frankreich, Spanien, England, Japan, Österreich, China und Polen mit großen Orchestern wie dem Virtuosos of Gnesiny Chamber Orchestra, dem Moscow State Symphony Orchestra und dem Musica Viva Academic Orchestra. 2016 hatte er seinen ersten Auftritt im Metropolitan Theatre Tokio.

 

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Ausführliche Infos über Chopin in der Wojewodschaft Masowien

 

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Beitrag: Frank Bürger

Bilder: Frank Bürger


Kontakt zum Autor: 

f.buerger@prenzlauer-rundschau.de


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